Der Glaube an eine Schöpfung und naturwissenschaftlicher Unterricht

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Ohne diesen ersten Satz aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis des 2. Jahrhunderts nach Christi gibt es kein Christentum. Wie kann ein Unterricht aussehen, der den Glauben an diesen Schöpfer gerade auch dadurch vorbereiten will, dass er moderne naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Erkenntnismethoden vermittelt?

Die Veränderbarkeit biologischer Arten im Laufe der Naturgeschichte mit dem Effekt einer erstaunlichen Anpassungsfähigkeit in Bezug auf eine sich ständig verändernde Umwelt ist eines der faszinierenden Phänomene, die man in der Schöpfung an verschiedenen Beispielen beobachten und belegen kann (Darwinfinken, Birkenspanner u.v.a.m.). Die Kenntnis der Faktoren, die diese Veränderbarkeit bestimmen (Selektion, Rekombination, Gendrift, Mutation u.a.), sind wesentlich für ein dynamische Verständnis von Ökosystemen und somit wichtiger Unterrichtsstoff eines zeitgemäßen naturwissenschaftlichen Unterrichts.

Dass sich die Vielfalt des Lebens insgesamt allein durch diese und andere beobachtbare Faktoren erklären lässt, ist die Überzeugung einer naturalistischen Weltanschauung, steht aber der christlichen Überzeugung gegenüber, dass sich die Entstehung der Welt und des Lebens letztlich erst durch einen übernatürlichen, personalen Ursprung, nämlich Gott, erklärt und die Welt somit als Schöpfung Gottes begriffen werden muss. Das Spannungsfeld, in das jeder (!) Christ in Bezug auf die Ursprungsfrage gestellt ist, wird noch verschärft, wenn dieser die Bibel auch in ihren historischen Aussagen für ein glaubwürdiges Dokument der Offenbarung Gottes hält. Zu dieser Position bekennt sich das Geistlich-Pädagogische Konzept, das als Grundlage der Gründung unserer evangelikalen Bekenntnisschule anerkannt worden ist.

Es ist nun unser Anliegen als Lehrende dieser Schule, heranwachsende Menschen ihrem Alter angemessen in dieses Spannungsfeld von naturwissenschaftlicher Forschung und biblischer Überlieferung hinein zu führen. Sie sollen die Diskussion um eine naturalistische Weltdeutung und einem biblisch begründeten Glauben mittels naturwissenschaftlicher Erkenntnisse führen können und darin eine eigenständige Position entwickeln.

Dabei lehnen wir ausdrücklich jede Art der Indoktrination ab und legen Wert auf eine faire Informationsvermittlung.
Diese erfolgt fächerübergreifend, insbesondere aber im Religions-, Geschichts- und naturwissenschaftlichen Unterricht. Dabei vermitteln wir auch die naturwissenschaftlichen Fakten, die eine viele Millionen Jahre dauernde Entwicklungsgeschichte nahelegen (Ergebnisse von Altersbestimmungsmethoden, Regelhaftigkeit der Fossilüberlieferung, Ähnlichkeit auf den verschiedenen biologischen Strukturebenen,  u.a.) und erläutern exemplarisch die Prozesse, durch die die Entwicklung der verschiedenen biologischen Arten gemäß der Allgemeinen Evolutionstheorie erklärt wird. In diesem Rahmen werden sowohl offene Fragen bzw. Grenzen einer ausschließlich naturalistischen Erklärung der Ursprungsfrage, als auch Möglichkeiten und Grenzen (!) einer Interpretation solcher Fakten im Rahmen einer kurzen Naturgeschichte im Anschluss an eine 6-Tage-Schöpfung, wie sie in der Bibel berichtet wird,  diskutiert.

Durch einen derartigen Unterricht sollen die Schülerinnen und Schüler unserer Schule naturwissenschaftliche Forschung und die Diskussion um die Interpretation derselben als Herausforderung erleben, deren Fragen durchaus nicht rein akademischer Natur sind, sondern existentielle Grundfragen ihres  Menschseins betreffen.
Wir legen besonderen Wert auf die Art und Weise der Diskussion und treten jeder Art von Diffamierung („unwissenschaftlich!“, „unchristlich!“ o.ä.)  entgegen und erwarten einen sachlichen und respektvollen Umgang in den Auseinandersetzungen.