Etwas aufgeregt klingeln die Kinder der Schreibwerkstatt an der Tür zu Verena Klassens Wohnung. Wir sind mit ihr verabredet, da wir mehr über sie und ihre Arbeit als Kinderbuchautorin und Illustratorin erfahren möchten. Ein Kater läuft uns sogleich entgegen, nachdem Frau Klassen die Tür geöffnet hat. Sie bittet uns in ihr Arbeitszimmer. Eine Staffelei mit den gemalten Bildern aus ihrem Kinderbuch „Als Oma ein Flüchtling war“ springt uns sofort ins Auge. Pinsel, Bücher, Skizzenblöcke und Farben sind auf Regalen und ihrem Schreibtisch verteilt. Sie zeigt uns ihren Skizzenblock, den sie für ihr Erstlingswerk „Als Oma ein Flüchtling war“ gebraucht hat. Darin enthalten sind überall kleine Zeichnungen, sogenannte Thumbnails, die sie mit Bleistift angefertigt hat, um ihren Hauptfiguren ein Gesicht zu geben und Ideen für Reihenfolge und Struktur der möglichen Bilder in ihrem Kinderbuch zu sammeln. Die wunderschönen mit Gouachefarben, also deckenden Aquarellfarben gemalten Bilder, zeigt sie uns ebenfalls. Es sind genau die Bilder, die in ihrem Kinderbuch veröffentlicht worden sind und die Frau Klassen uns bei ihrer Autorenlesung im Wochenschluss gezeigt hat. Sie sehen etwas düster aus, aber das Thema ihres Kinderbuchs, in dem es um ihre Oma als Flüchtling während des zweiten Weltkriegs geht, ist ja auch ernst und soll angemessen dargestellt werden.

Mit Klemmbrettern bewaffnet, auf denen die Schreibwerkstattkinder ihre Interviewfragen aufgeschrieben haben, machen wir uns anschließend auf den Weg in Verena Klassens Wohnzimmer. Gemütlich sitzend auf ihren Sofas dürfen wir Frau Klassen ein paar Fragen stellen.

Ein Interview mit Verena Klassen

Henry: Wie alt sind Sie?
Frau Klassen: Ich bin 27 Jahre.

Jolina: Wer gehört noch zu Ihrer Familie?
Frau Klassen: Nur Pinsel, unser Kater, mein Mann Erich und ich.

Nicole: Wie lange arbeiten Sie schon als Illustratorin?
Frau Klassen: Ich habe vor einem Jahr mein Studium zur Graphikdesignerin beendet und seitdem bin ich Illustratorin.

Christina: Warum sind Sie Illustratorin geworden?
Frau Klassen: Ich habe schon als Kind sehr gerne gezeichnet und gemalt. Ich war sehr kreativ und konnte stundenlang an einem Bild malen. Irgendwann habe ich gedacht, dass ich das ja auch beruflich machen könnte. So bin ich Illustratorin geworden, obwohl es auch manchmal schwer war.

Nicole: Welche Materialien benutzen Sie für Ihre Bilder?
Frau Klassen: Ihr habt es ja gesehen. Ich benutze Papier, Skizzenblöcke, Bleistifte, Buntstifte, Gouachefarben und Aquarellbarben.

Jolina: Wie lange dauert es, die Bilder für ein Buch zu malen?
Frau Klassen: Das ist ganz unterschiedlich. Am Anfang hat es oft mehrere Tage gedauert, bis ich ein Bild fertig hatte. Aber nach und nach hatte ich Übung darin und so brauchte ich für die letzten Bilder manchmal nur einen Nachmittag.

Christina: Ist es schwer, die Bilder zu malen?
Frau Klassen: Manchmal schon. Es ist wie bei Geschichten. Man weiß nicht, wie und wo man anfangen oder weitermachen soll. Aber meistens geht es dann doch irgendwie weiter.

Ashley: Was ist Ihr erstes Buch gewesen, das Sie geschrieben haben?
Frau Klassen: Das erste Buch, das ich geschrieben und veröffentlicht habe, war: „Als Oma ein Flüchtling war“. Es war die Abschlussarbeit meines Studiums, also meine Bachelorarbeit. Vorher habe ich auch schon Geschichten geschrieben, aber nie veröffentlicht. Teilweise habe ich meine Geschichten auch nur angefangen zu schreiben und nie beendet. Oder ich habe sie in eine Schublade gelegt und dann dort vergessen.

Darja: Schreiben Sie denn auch Geschichten für Erwachsene?
Frau Klassen: Nein. Bislang habe ich nur Geschichten für Kinder geschrieben. Aber eigentlich schreibe ich auch gar nicht die Geschichten, sondern male die Bilder zu den Geschichten anderer Leute.

Henry: Hat Ihre Oma jemals wieder ihre alte Heimat besucht?
Frau Klassen: Nein, meine Oma war nur ganz in der Nähe. Aber ihr Bruder, also Lottes Bruder in der Geschichte war schon mal dort. Meine Oma wollte immer in ihre Heimat, aber sie hat es nie geschafft.

Micha: Warum wollte die böse Frau in Ihrer Geschichte eigentlich Lotte und ihren Bruder entführen?
Frau Klassen: Sie wollte sie wahrscheinlich verkaufen. Damals hat man Kinder als billige Arbeitskräfte verkauft.

Christina: Zu wie vielen Büchern haben Sie bereits Bilder gemalt?
Frau Klassen: Bis jetzt für zwei. Ich bin aktuell an zwei anderen Büchern dran und auch an Projekten, die nicht zu Bilderbüchern gehören.

Ashley: Woran arbeiten Sie gerade?
Frau Klassen: Ich arbeite gerade an einem Häschenbuch. Die Geschichte gibt es schon und ich male die Bilder dazu. Aber die Bilder sind noch nicht ganz fertig und deshalb kann ich sie euch auch noch nicht zeigen.

Micha: Sie lesen bestimmt selber gerne. Was ist Ihr Lieblingsbuch?
Frau Klassen: schaut auf ihr Bücherregal und holt schließlich ein großes altes in Leinen gebundenes Buch heraus. Das ist das große Buch der Heinzelmännchen. Das habe ich schon als Kind geliebt, da es so viele schöne Geschichten und Bilder enthält. Allerdings habe ich noch einige andere Lieblingsbücher.

Darja: Was haben Sie sonst noch für Hobbys?
Frau Klassen: lacht. Sehr viele. Ich nähe gerne. Ich habe sogar ein Spinnrad, mit dem ich spinne oder ich stricke auch. Also Handarbeiten mache ich gerne. Kochen oder Musik oder auch Gartenarbeit tue ich sehr gerne.

Zum Abschluss unseres Besuchs holt Frau Klassen ihr Tablet hervor und zeigt uns noch unterschiedliche Bilder, die sie auf dem Computer gemalt hat. Wir staunen über ihre Kunstfertigkeit. Mit vielen neu gewonnenen Eindrücken machen wir uns auf den Heimweg. Wir sind uns einig, dass Verena Klassen wohl zum Beruf gemacht hat, was sie richtig gut kann und liebt.

Indra Frohn