Suche Frieden und jage ihm nach.

Dazu fordert uns die Jahreslosung für 2019 (aus Psalm 34, 15) auf. Suchen und Jagen – hier ist Aktivität gefragt. Offensichtlich ist der Friede ständig auf der Flucht. Deshalb müssen wir uns immer wieder um ihn bemühen und versuchen, ihn so gut wie möglich festzuhalten.

Wie kann zwischenmenschlicher Friede konkret werden? Dabei helfen uns die Sätze, die der Jahreslosung vorangehen (Psalm 34,14-15a):

Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen und tue Gutes.

Zugebenermaßen sind „Gutes tun“ und „Gutes reden“ auch an einer christlichen Schule keine Selbstläufer. Nicht selten erleben wir es, dass Situationen oder Beziehungen festgefahren sind und Konflikte nicht allein gelöst werden können. Da ist es gut, wenn man die Hilfe eines Unparteiischen in Anspruch nehmen darf.

Dies war der Anlass, um vor ca. zwei Jahren mit der Ausbildung von Kinder-Streitschlichtern zu beginnen. Unsere Schulsozialarbeiterin Frau Blauth, die sowohl unsere Streitschlichter ausbildet als sie auch in ihrer Aufgabe begleitet, berichtet:

Sechs Kinder aus den Klassen 3 und 4 an unserer Schule haben ein ganz besonderes Amt. Sie haben ein halbes Jahr eine Ausbildung zum Streitschlichter erhalten. Streitschlichtung läuft nach festen Gesprächsregeln. Die Kinder haben gelernt, wodurch ein Streit entsteht und wie man als Streitschlichter zu einer Versöhnung beitragen kann. Immer montags in der ersten großen Pause sind sie im Einsatz und können natürlich auch bei Streitfällen in der Klasse eingesetzt werden. Das halbe Jahr der Ausbildung hat die Kinder auch selbst weitergebracht. Sie schauen nun lösungsorientierter auf eigene Streitereien.

Warum sind die Kinder Streitschlichter geworden? Linda und Enjeto erzählen davon, dass sie für diese Aufgabe empfohlen wurden. Mia und Sophia erklären, dass sie es nicht mögen, wenn sich Menschen streiten und sie deshalb helfen wollen.

Was die Streitschlichterausbildung als solches betrifft, berichten die Kinder besonders begeistert von den zahlreichen Rollenspielen.

Ihre Aufgabe als Streitschlichter stellt sich nicht immer einfach dar. Manchmal läuft einer der Kontrahenten weg und es lässt sich nichts klären. Oder aber der Schlichter wird (beinahe) selbst mit in den Konflikt hineingezogen. Doch gibt es auch Positiv-Erfahrungen. Linda erzählt z.B., dass sie zwei Kindern, die seit der 1. Klasse Streit miteinander hatten, unlängst mit den Gesprächsregeln weiterhelfen konnte.

Übereinstimmend berichten die Kinder davon, dass ihnen die Streitschlichterausbildung vor allen Dingen für ihre eigenen Beziehungen eine Menge gebracht hat. Mia erklärt, dass sie sich in Konfliktsituationen mehr Mühe gibt, dem anderen zuzuhören. Fiona berichtet, dass sie inzwischen besser ihre Gefühle unter Kontrolle hat. Linda meint, dass sie im Streit mit ihrem Bruder nicht mehr so schnell beleidigt reagiert und ihre Hände besser kontrollieren kann.

Dem Frieden nachjagen! Aus eigener Kraft heraus schaffen wir das nicht – ganz egal, ob wir ein Kind oder bereits erwachsen sind. Jesus, der Friedefürst, ist uns auf diesem Weg vorangegangen. Durch seine Vergebung dürfen wir Frieden mit Gott und mit uns selbst schließen. Von Jesu Wesen dürfen wir für unsere Beziehungen lernen. Möge sich mehr und mehr bewahrheiten, was Manfred Siebald in seinem Lied ausdrückt:

Der Friede Gottes will in dir beginnen, du brauchst nicht lange, bis du es entdeckst: Was Gott in dich hineinlegt, bleibt nicht innen, Friede, der nach außen wächst.

In diesem Sinne wollen wir uns der Herausforderung stellen, als „Friedensjäger“ unterwegs zu sein – mit Gottes Hilfe.

Regina Schmidt