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10. Äußere Struktur des Unterrichts

Unterrichtsstruktur mit einer fortschreitenden äußeren Differenzierung
Die äußere Struktur des Unterrichts an der GMS wird weitgehend durch die gesamtschulspezifischen Vorgaben bestimmt. Trotzdem gibt es Entscheidungsmöglichkeiten und Freiräume, die in den letzten Jahren zum Ausbau des Konzepts einer allmählich fortschreitenden äußeren Differenzierung genutzt worden sind. Diese „GMS-Struktur“ stellt inzwischen einen charakteristischen Beitrag zum  Profil der Georg-Müller-Gesamtschule  dar und soll in den nächsten Jahren fortlaufend evaluiert und weiterentwickelt werden

gruppenarbeit102Das Konzept geht davon aus, dass die Heterogenität der Schülerschaft (die von den Initiatoren der Schule ausdrücklich gewollt war: „Schule für alle!“), einerseits wichtige didaktische Möglichkeiten eröffnet, und andererseits Probleme im Hinblick auf eine angemessene individuelle Förderung erzeugt. Der Versuch, zum Einen die Chancen dieser Heterogenität zu nutzen und zum Anderen auf die Probleme dieser Heterogenität angemessen zu reagieren, besteht darin, ausgehend von leistungsheterogenen Klassen die Lernenden in einem allmählich fortschreitenden Prozess mehr und mehr in leistungshomogeneren Gruppen und schließlich auch Klassen zu fördern.

Jahrgänge 5 und 6: Differenzierungsmaßnahmen und Förderunterricht
Die Zusammensetzung der Klassen an einer Gesamtschule ist von großer Heterogenität geprägt. Da unsere Schüler ganz unterschiedlich begabt, leistungsbereit und interessiert sind, setzen an unserer Schule Differenzierungsmaßnahmen bereits in Klasse 5 ein. Unter Differenzierungsmaßnahmen verstehen wir hier Co-Teaching, Bildung von Kleingruppen, Freiarbeit, Wochenplanarbeit, Förderunterricht.

So wird in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik in den Klassenstufen 5 und 6 (Deutsch auch Klasse 7) eine der wöchentlichen Unterrichtsstunden als so genannte „Differenzierungsstunde“ ausgewiesen. In dieser Stunde stehen der Klasse zwei Lehrerinnen und Lehrer und zwei Arbeitsräume zur Verfügung. Unter Berücksichtigung der aktuellen Bedürfnisse der Schüler treffen Fachlehrer und Differenzierungslehrer Absprachen über die Lerninhalte und über die Schüler, die den entstehenden Lerngruppen zugewiesen werden. So gibt es Lehrerteams, die die Gruppen je nach Lernstoff zusammenstellen. Es gibt auch Gruppen, die längere Zeit konstant bleiben und in den Differenzierungsstunden einem eigenen Lernplan folgen, z.B. um Rechtschreibung zu trainieren. Die Stunden werden genutzt, um entweder mit leistungsschwächeren Schülern Lerninhalte zu vertiefen oder zu wiederholen, Lücken zu schließen usw., oder um mit leistungsstärkeren Schülern an abgegrenzten Themen weiterzuarbeiten.

Für Jungen und Mädchen mit besonderem Förderbedarf wird Förderunterricht in Deutsch, Englisch und Mathematik angeboten. Die Teilnahme kann verpflichtend (wenn eine Zuweisung durch die Klassenkonferenz erfolgt) oder freiwillig sein.
 

Jahrgänge 7 und 8: Fachleistungsdifferenzierung
Während in den ersten beiden Jahrgängen unserer Schule Maßnahmen der inneren Differenzierung im Vordergrund der individuellen Förderung stehen, kommt ab Klasse 7 die Form der äußeren Differenzierung hinzu, wie sie an den meisten Gesamtschulen des Landes praktiziert wird: die Fachleistungsdifferenzierung in den drei Hauptfächern und einem naturwissenschaftlichem Fach. Der Unterricht in Grund- und Erweiterungskursen beginnt in Mathematik und Englisch in Klasse 7. Die Schulkonferenz entschied Deutsch zum frühstmöglichen Zeitpunkt - also ab Klasse 8 - leistungsdifferenziert zu unterrichten. Ebenso legte sie fest, die Fachleistungsdifferenzierung ab Klasse 9 im Fach Chemie durchzuführen.
 

Jahrgänge 9 und 10: E-Plus-Kurse und Klassenneubildung nach Leitfächern
Zur besseren Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die Arbeit in der gymnasialen Oberstufe werden seit dem Schuljahr 2000/2001 in den Jahrgängen 9 und 10 so genannte E-Plus-Kurse in Deutsch, Englisch und Mathematik angeboten. Hierzu werden die stärksten Schülerinnen und Schüler der bisherigen Erweiterungskurse zu neuen Lerngruppen zusammengeführt.

Die Erfahrungen mit diesem Projekt sind bisher insgesamt positiv. Die Schülerinnen und Schüler in den relativ leistungshomogenen Kursen (E- und E-Plus-Kurse) können gezielter gefördert werden, arbeiten intensiver, schneller und auf höherem Niveau. Auch die Lernatmosphäre hat sich verbessert.

Da sich die in Gesamtschulen übliche Kursdifferenzierung allein auf die Hauptfächer und lediglich ein naturwissenschaftliches Fach beschränkt, entstand in der Schulgemeinschaft der GMS die Frage, ob nicht auch in den anderen, den so genannten Nebenfächern ein Unterricht in homogeneren Gruppen sinnvoll und möglich wäre. Nach einem längeren Entscheidungsprozess, der durch die Lehrerkonferenz angestoßen wurde und an dem sich dann alle Mitwirkungsgremien der Schule beteiligten, stellte die Georg-Müller-Gesamtschule am 18.April 2001 beim Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung den Antrag, zu Beginn der 9. Jahrgangsstufe eine Klassenneubildung anhand eines Leitfachs vornehmen zu dürfen. Dieses wurde vom Ministerium genehmigt. Die Genehmigung wurde zunächst auf 5 Jahre befristet und ist auf der Grundlage einer Evaluation des Verfahrens im Jahr 2004 im November 2005 verlängert worden.

Diese Leitfachdifferenzierung  gestaltet sich so, dass aus den fachleistungsdifferenzierten Kursen in einem der Fächer Deutsch, Englisch oder Mathematik (das Leitfach wechselt alternierend von Schuljahr zu Schuljahr) ab dem 9. Schuljahr Klassen werden, so dass zwei „E–Kurs–Klassen“ und zwei „G–Kurs–Klassen“ entstehen. Der Kernunterricht im Klassenverband findet in diesen neu gebildeten Klassen statt. Das Kurssystem bleibt durch die Umwandlung der Kurse zu Klassen unberührt. Im jeweiligen Leitfach sind Klasse und Kurs identisch. Die Kurse der anderen fachleistungsdifferenzierten Fächer und des Wahlpflichtbereiches bleiben bestehen. Kurswechsel sind im bisherigen Rahmen weiterhin möglich. Der Effekt dieses Verfahrens besteht darin, dass auch der Unterricht in den Nebenfächern von der Fachleistungsdifferenzierung der Hauptfächer profitiert.

Programm07Die Evaluation des Verfahrens nach drei Jahren hat zu folgenden Ergebnissen geführt:

  • Das Profilklassenkonzept ist praktikabel!
     
  • Das Profilklassenkonzept führt zu einer potentiellen Stärkung des Klassenlehrerprinzips!
     
  • Das Profilklassenkonzept führt zu leistungshomogeneren Klassen!
     
  • Das Profilklassenkonzept ist sozial verträglich!
     
  • Das Profilklassenkonzept führt in den nichtdifferenzierten Fächern zu einer veränderten Notenentwicklung zugunsten der G-Kurs-Klassen-Sch. und zu ungunsten der E-Kurs-Klassen-Sch.!
     

Weiterentwicklung der GMS–Schulstruktur
Durch das neue Schulgesetz 2005 in NRW, nach dem ein Abitur künftig nach 12 Jahren möglich sein soll, und den sich daraus ergebenden Neuerungen für die Gestaltung der Sekundarstufe I wie sie in der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung (APO–SI) beschrieben sind, ist die Frage nach der Schulstruktur der Georg–Müller–Gesamtschule neu gestellt worden. Die Diskussion darüber erfolgte seit dem Herbst 2004 ausgehend vom Schulleitungsteam im Vorstand des Trägervereins, im Lehrerkollegium, unter den Eltern und den Schülern in den verschiedenen Gremien der Schule. Als zentrale Veranstaltung dieser Diskussionsphase fand am Donnerstag, dem 23. Juni 2005 ein öffentlicher Infoabend mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema „Schulstruktur der GMS“ statt, zu dem alle Schüler, Eltern und Lehrer eingeladen worden waren. Als vorläufiges Ergebnis dieser Diskussionsphase stand dann zu Beginn des Schuljahres 2005/2006 fest, dass das bisherige Verfahren der Leitfachdifferenzierung mit E–Plus–Kursen in den Jahrgängen 9 und 10 weiterentwickelt werden sollte zu einer Abschlussdifferenzierung und eventuell einer Schulformdifferenzierung in diesen Jahrgängen. Durch diese Maßnahme sollte das Ziel des Trägervereins verwirklicht werden, an der GMS sowohl ein Abitur nach 12 als auch nach 13 Jahren zu ermöglichen. Als allerdings im November 2005 vom Schulministerium die Novellierung des neuen Schulgesetzes zu Beginn des nächsten Schuljahres angekündigt wurde, war dieses Konzept wieder grundsätzlich in Frage gestellt, so dass augenblicklich keine definitive Aussage zur Zukunft der GMS-Schulstruktur gemacht werden kann. Als Konsens gilt allerdings: An der GMS soll ein Abitur nach 12 Jahren eine realistische Option sein. Dazu scheint nach dem derzeitigen Stand der neuen Gesetzeslage eine Schulformdifferenzierung spätestens nach Klasse 8 nötig zu sein.
 

Fachunterricht und fächerübergreifendes Lernen:
Um systematisches, sorgfältig abgesichertes Lernen zu ermöglichen, orientiert sich unser Unterricht am einzelnen Fach. Auf diese Weise werden Grundlagen gelegt, auf denen dann sorgfältig aufgebaut wird. Wir forcieren systematisches, an den Fächern orientiertes Lernen mit regelmäßigen Phasen fächerübergreifenden Lernens, nicht aber die Fächerintegration. Bereits ab Klasse 5 sorgen Phasen fächerübergreifenden Lernens für Vernetzung und Transfer des Gelernten. Der fächerübergreifende Unterricht umfasst mindestens zwei Fächer und bearbeitet Themenbereiche, die auch im einzelnen Fach für dieses Schuljahr vorgesehen sind. Für alle Klassenstufen wurden verbindliche Absprachen über fächerübergreifenden Unterricht getroffen. Genaueres zum fächerübergreifenden Unterricht s.u.

An unserer Schule gibt es im Interesse der Qualitätssicherung die eigenständigen Fächer Geschichte, Politik und Erdkunde, die prinzipiell getrennt und mit eigenen Inhalten unterrichtet werden. Im naturwissenschaftlichen Bereich sieht es ähnlich aus: Es werden die Fächer Biologie, Chemie und Physik unterrichtet, im Wahlpflicht–Bereich allerdings das integrierte Fach Naturwissenschaften. Technik, Wirtschaft und Hauswirtschaft sind zum Lernbereich Arbeitslehre zusammengefasst.
 

Jahrgangsteams:
Ab dem Schuljahr 1999/2000 werden Lehrkräfte als Jahrgangsteams eingesetzt. Das heißt: Die eingesetzten Lehrerinnen und Lehrer unterrichten mit einer möglichst hohen Zahl von Wochenstunden in zumindest zwei Parallelklassen. Dadurch reduziert sich die Zahl der unterschiedlichen Lehrkräfte pro Klasse und Jahrgang. Allerdings wird fachfremder Unterricht nur im begründeten Ausnahmefall vorgesehen. Dieses Teammodell begünstigt durch eine deutliche Verbesserung der Möglichkeiten für Absprache und Organisation den fächerübergreifenden Unterricht und die erzieherische Arbeit.
 

Stundentafel:
Die Stundentafel der GMS-Sek I sieht z.Z. wie folgt aus:

 

5

6

7

8

9

10

 

Deutsch

4

4

4

4

3

3

22

Mathematik

4

4

4

4

4

3

23

Englisch

5

5

4

4

3

3

24

Geschichte

2

 

1

 

2

1

18

Politik

 

1

1

2

 

1

Erdkunde

1

2

2

1

 

1

Biologie

2

2

 

2

2

 

20

Physik

 

1

2

 

1

2

Chemie

 

 

 

2

2

2

Arbeitslehre

2

2

2

2

2

2

12

Kunst

2

 

1

2

 

2

14

Musik

1

2

1

 

2

1

Religion

2

2

2

2

2

2

12

Sport

3

3

3

3

2

3

17

WP-I*

 

 

3

3

3

3

12

WP-II

 

 

 

 

3

2

5

 

28

28

30

31

31

31

179

*Die Fremdsprachen in den Wahlpflichtbereichen werden vierstündig unterrichtet.

Durch die Einführung der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung wird sich diese Stundentafel in den nächsten Jahren z.T. grundlegend verändern. So wird z.B. der Gesamtstundenumfang in der Sekundarstufe I auf 188 Stunden ausgeweitet werden. Es wird eine Aufgabe der Schulentwicklung an der GMS sein, je nach (noch ausstehender) Entscheidung über die Zukunft der Schulstruktur der GMS (s.o.), die Stundentafel und insbesondere die Gestaltung der in der Verordnung vorgesehenen Ergänzungsstunden neu zu formulieren.

Wahlpflichtbereich:
Nach der alten Ausbildungsordnung der Sekundarstufe I besteht in den Wahlpflichtbereichen I (ab Klasse 7) und II (ab Klasse 9) die Möglichkeit zur Neigungswahl. Im WP-I-Bereich kann zwischen den Schwerpunkten zweite Fremdsprache (Französisch oder Latein), Naturwissenschaften und Arbeitslehre
gewählt werden und damit je nach Neigung eine Schwerpunktsetzung vorgenommen werden. Im WP-II-Bereich kann zwischen einer weiteren Fremdsprache (Spanisch) und anderen Neigungsfächern gewählt werden (angebotene Fächer für das Schuljahr 2005/2007 z.B.: „Europäische Geschichte nach 1945“, „Israel – Geschichte, Religion und Kultur der Juden“, „Informations- und Kommunikationstechnologie“, „Sport und Gesundheit“, „Naturwissenschaftliches Experimentieren“, „Orchestermusik“).

Nach der der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung – und diese wird auf alle Schülerinnen und Schüler angewandt, die im Schuljahr 2005/2006 oder später eingeschult wurden oder werden – beginnt der WP–Bereich (und somit gegebenenfalls die zweite Fremdsprache) schon im Jahrgang 6. Ein WP–II–Bereich ist nicht mehr vorgesehen. Trotzdem soll es an der GMS im Rahmen der Ergänzungsstunden zumindest für die Schülerinnen und Schüler, die ein Abitur in 12 Jahren nicht anstreben, weiterhin die Möglichkeit einer Wahl von weiteren Neigungsfächern in den Jahrgängen 9 und 10 geben. Diese Option soll Teil des in den nächsten Jahren zu entwickelnden Ergänzungsstunden–Konzepts sein.
 

Arbeitsgemeinschaften:
Besonderen Interessen haben in den letzten Jahren immer wieder auch die freiwilligen Arbeitsgemeinschaften ein Betätigungsfeld geboten. Diese wurden zusätzlich zum regulären Unterricht klassen- und jahrgangsübergreifend angeboten. Sie möchten zu besonders intensiver Tätigkeit herausfordern.

Im Rahmen der neuen Ausbildungs-– und Prüfungsordnung und der damit verbunden Erhöhung der Unterrichtsstunden in der Sekundarstufe I soll in nächster Zeit erwogen werden, ob die AGs eventuell in das zu entwickelnde Ergänzungsstunden–Konzept mit eingebunden werden sollten bzw. können.

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